Die Halle dürfte voll werden, die Stimmung laut – und auf der Matte wird um jeden Punkt gekämpft. Am Freitagabend steigt in der Ringen-Oberliga das Ostalb-Derby zwischen dem AC Röhlingen und dem KSV Aalen. Schon in der vergangenen Saison lockte dieses Duell zahlreiche Zuschauer an. Auch diesmal ist die Vorfreude groß, auch wenn die beiden Mannschaften mit unterschiedlichen Voraussetzungen in den Kampf gehen.
Vor allem beim AC Röhlingen verlief der Saisonstart alles andere als nach Wunsch. Noch wartet die Mannschaft auf den ersten Sieg. „Wir haben immer noch drei Verletzte, die in der vergangenen Saison dabei waren. Mit unserem kleinen Kader können wir das aktuell einfach nicht kompensieren“, sagt der Sportliche Leiter Simon Hummel. Die verletzten Ringer sind Stefan Maierhöfer, Adrian Maierhöfer und Jonathan Hilpert.
Die Ausfälle haben mittlerweile auch Auswirkungen auf die zweite Mannschaft. Immer wieder muss der AC Ringer aus der Reserve nach oben ziehen. „Es geht ja nicht anders. Aber dann fehlen diese Ringer natürlich wieder in der zweiten Mannschaft“, sagt Hummel. Das wiegt umso schwerer, weil auch die Röhlinger Zweite aufgestiegen ist und nun eine Klasse höher antritt.
Mittlerweile kommen dort sogar Sportler zum Einsatz, die eigentlich erst langsam an den Wettkampfbetrieb herangeführt werden sollten. „In der Mannschaft sind Neuanfänger dabei, die erst vor Kurzem ihre Startberechtigung bekommen haben. Normalerweise würde man sie ab und zu einbauen, damit sie mal reinschnuppern können. Jetzt sind sie schon regelmäßig dabei“, sagt Hummel.
Hummel: „Da wird jeder alles geben“
Ausgerechnet in dieser schwierigen Situation wartet nun das Derby. An der Vorfreude auf den Freitagabend ändert das allerdings nichts. „Die Halle wird wieder voll sein und es wird eine gute Stimmung geben“, sagt Hummel. Wie die sportlichen Kräfteverhältnisse aussehen, werde auch davon abhängen, in welcher Besetzung die Aalener antreten. „Wenn der KSV mit Topbesetzung kommt und wir nicht komplett stellen können, dann sind sie natürlich klarer Favorit“, sagt Hummel. Gleichzeitig setzt er auf den Derby-Charakter: „Da wird jeder alles geben und die eine oder andere Überraschung kann immer passieren.“
Gerade im Ringen könne ein einzelnes Duell schnell eine unerwartete Wendung nehmen. Deshalb will sich der AC trotz der schwierigen Ausgangslage keinesfalls schon vor dem ersten Kampf geschlagen geben. „Wenn man es realistisch betrachtet, ist Aalen ganz klar der Favorit. Aber wir hissen bestimmt nicht schon vorab die weiße Fahne“, betont Hummel.
Für zusätzliche Motivation dürfte sorgen, dass der Röhlinger Trainer Udo Müller am Freitag seinen 60. Geburtstag feiert.
Beim KSV Aalen ist die Ausgangslage eine andere. Trainer Anton Nuding blickt zufrieden auf die ersten Wochen zurück – mit zwei Siegen in Ebersbach und gegen Hardt sowie zuletzt der Niederlage bei der stark besetzten Kampfgemeinschaft Korb/Fellbach. „Die Einstellung der Mannschaft passt, die Mannschaft kämpft und zeigt Charakter“, sagt Nuding.
Ohnehin sieht der Trainer gerade für seine jungen Ringer einen Wert in Erfahrungen wie zuletzt in Korb. „Eine Niederlage trägt auch dazu bei, dass die Mannschaft weiter reift. Jede Niederlage hat auch etwas Gutes. In Korb hat man gemerkt, dass die KG abgeklärte Ringer hat. So wissen wir, woran wir arbeiten müssen.“
Nuding: „So ein Lokalderby elektrisiert“
Am Freitag wartet allerdings kein gewöhnlicher Oberliga-Kampf. Schon beim Gedanken an die Kulisse in Röhlingen steigt beim Aalener Trainer die Vorfreude. „So ein Lokalderby elektrisiert“, sagt Nuding. Er hofft, dass sich erneut zahlreiche Aalener Anhänger auf den kurzen Weg machen und beide Mannschaften gemeinsam für eine volle Halle sorgen. Bereits in der vergangenen Saison sorgten rund 900 Fans in beiden Hallen für eine überragende Stimmung.
Dass der KSV aufgrund der bisherigen Ergebnisse als Favorit nach Röhlingen fährt, möchte Nuding nicht zum großen Thema machen. „Das will ich eigentlich gar nicht hören“, sagt er. Stattdessen richtet sich sein Blick ausschließlich auf die eigene Mannschaft: „Wir werden Röhlingen ernst nehmen und mit der bestmöglichen Mannschaft an den Start gehen.“ Nuding weiß auch, dass die Röhlinger alles daransetzen werden, den KSV zu ärgern. „Sie wollen uns das Leben so schwer wie möglich machen“, sagt er.
Dabei sieht Nuding sein Team für die besondere Atmosphäre inzwischen besser gerüstet als noch vor einem Jahr. Für einige seiner jungen Ringer war das Ostalb-Derby damals der erste Auftritt vor einer derart großen Kulisse. „Die Jungs sind gereift. Sie wissen jetzt, was auf sie zukommt“, sagt er. Wie Nuding betont, dürfe es auf der Matte gerne ein bisschen hitziger sein. Entscheidend sei aber, dass alles im sportlich fairen Rahmen bleibe und die Zuschauer spannende sowie möglichst verletzungsfreie Duelle zu sehen bekommen.
Genau das ist Nudings Wunsch für den Derbyabend: Auf der Matte soll mit aller Konsequenz um die Punkte gekämpft werden, danach soll man wieder freundschaftlich zusammenstehen können. „Am Ende sollen die Leute rausgehen und sagen: Das waren großartige Kämpfe und Werbung fürs Ringen“, sagt er.
Und bei aller Betonung von Fairness und gegenseitigem Respekt fehlt dem Aalener Trainer auch die notwendige Kampfansage nicht: „Wir fahren bestimmt nicht nach Röhlingen, um die Punkte dort liegen zu lassen.“

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