KSV Aalen wird seiner Favoritenrolle im Ostalb-Derby gerecht

Vor rund 800 Zuschauern gewinnt der KSV Aalen das Ostalb-Derby beim AC Röhlingen mit 25:9. Die Trainer würdigen die Mannschaftsleistungen und einen Abend, der Werbung für den Ringsport war.

Vor rund 800 Zuschauern gewinnt der KSV Aalen das Ostalb-Derby beim AC Röhlingen mit 25:9. Die Trainer würdigen die Mannschaftsleistungen und einen Abend, der Werbung für den Ringsport war.

Von Tim Abramowski · Ringen

Die Sechtahalle war voll, die Stimmung prächtig. Rund 800 Zuschauer wollten sich am Freitagabend das Ostalb-Derby in der Ringen-Oberliga zwischen dem AC Röhlingen und dem KSV Aalen nicht entgehen lassen. Auf der Matte bestätigten sich jedoch die Kräfteverhältnisse, die bereits vor dem ersten Kampf erwartet worden waren. Der favorisierte KSV setzte sich beim von wichtigen Ausfällen geschwächten AC souverän mit 25:9 durch.

Dass die Gastgeber vor eigenem Publikum einen schweren Stand haben würden, war bereits im Vorfeld klar. Mit Stefan Maierhöfer, Adrian Maierhöfer und Jonathan Hilpert fehlten dem AC drei wichtige Ringer. Für den ohnehin kleinen Röhlinger Kader waren diese Ausfälle kaum zu kompensieren.

Für KSV-Trainer Julian Meyer lag der Schlüssel zum Erfolg einmal mehr nicht in einzelnen herausragenden Leistungen. „Ich glaube, der ausschlaggebende Punkt, warum wir seit den letzten Jahren so stark sind, ist die geschlossene Mannschaftsleistung“, sagte Meyer. Und die zeigte sich bereits im ersten Kampf des Abends.

In der Klasse bis 57 Kilogramm Freistil lieferten sich Jonas Stark und Amin Aliyev einen Kampf auf Augenhöhe. Stark war bislang noch ungeschlagen, doch Aliyev hielt dagegen und setzte sich hauchdünn mit 9:8 durch. Der erste Mannschaftspunkt ging an den KSV.

Danach wurde es deutlicher. Zoltan Czako brachte Tizian Valerius Seifert im Schwergewicht beim Stand von 14:0 auf beide Schultern und erhöhte auf 5:0. Robin Nuding ließ gegen Constantin Lübbe im griechisch-römischen Stil bis 61 Kilogramm den nächsten „Vierer“ folgen. Mit 19:2 gewann der Aalener technisch überlegen.

Nach drei Kämpfen führte der KSV bereits mit 9:0. Das erste Röhlinger Erfolgserlebnis bescherte Botond Lukacs den Gastgebern. Im Freistil bis 98 Kilogramm setzte er sich gegen den erst 17-jährigen Jens Josef Rettenmaier mit 6:2 durch und verkürzte auf 2:9.

Mehr ließ der KSV vor der Pause nicht zu. Valentin Friedel dominierte Quentin James Lübbe im Freistil bis 66 Kilogramm und gewann mit 13:0 technisch überlegen. Zur Halbzeit führte Aalen mit 13:2.

Auch nach der Pause blieb das Bild zunächst unverändert. Bogomir Eismont setzte sich gegen Linus Elija Koch im griechisch-römischen Stil bis 86 Kilogramm mit 15:0 durch. Mit dem nächsten Vierer zog der KSV auf 17:2 davon.

Dass sich der AC trotz seiner schwierigen personellen Situation nicht hängen ließ, zeigte sich anschließend. Adam Pohilec sorgte gegen Noah Honold für den deutlichsten Röhlinger Erfolg des Abends. Mit 15:0 gewann er technisch überlegen und holte vier Mannschaftspunkte. Arthur Beser legte im Freistil bis 80 Kilogramm nach. Gegen Yasin Soltayev behielt er mit 14:2 die Oberhand und steuerte weitere drei Zähler bei. Röhlingen verkürzte innerhalb von zwei Kämpfen auf 9:17 – und die ohnehin gute Stimmung in der Sechtahalle wurde noch einmal deutlich lauter.

Meyer wusste durchaus um die Gefahr einer solchen Phase. „Da ist natürlich schon mal die Gefahr da, dass sich eine Eigendynamik in die andere Richtung entwickelt“, sagte der KSV-Trainer. Nervös wurde er aber nicht. Gerade dabei zeige sich die Entwicklung seiner jungen Mannschaft gegenüber dem Vorjahr: „Sie haben die große Kulisse schon einmal mitgemacht, lassen sich nicht aus der Ruhe bringen und bringen das Ding dann trotzdem einfach nach Hause.“

Genau das tat der KSV. Musa Tajik besiegte Marc Hieber im Freistil bis 75 Kilogramm mit 15:0 technisch überlegen und sorgte damit endgültig für klare Verhältnisse. Maximilian Rettinger setzte im abschließenden Duell gegen Dominik Liesch noch einen drauf. Auch er gewann im griechisch-römischen Stil mit 15:0 technisch überlegen. Das 25:9 war perfekt.

„Ich kann eigentlich keinen Einzelnen hervorheben“, sagte Meyer nach dem Derby. „Das ist eine Mannschaft, die einfach ihren Weg geht. Wir versuchen, sie ein bisschen zu steuern, aber den Rest machen die Jungs ganz gut alleine.“

Auch auf Röhlinger Seite wurde der Ausgang realistisch eingeordnet. „Ganz klar: Die bessere Mannschaft hat gewonnen – und auch verdient“, sagte AC-Trainer Udo Müller. Angesichts der Voraussetzungen überwog bei ihm dennoch der Stolz: „Meine Jungs haben alles gegeben. Ich bin sehr stolz auf die Jungs.“ Gerade nach dem schwierigen Saisonstart sehe er inzwischen eine Entwicklung in die richtige Richtung.

Und so rückte nach dem letzten Kampf zunehmend das in den Vordergrund, was dieses Derby unabhängig vom Ergebnis auszeichnete. Rund 800 Zuschauer, zwei Vereine aus unmittelbarer Nachbarschaft und eine Atmosphäre, die Werbung für den Ringsport auf der Ostalb war. Am Ende standen beide Mannschaften zusammen und bildeten einen großen Kreis.

„Was Röhlingen da immer bietet, ist einfach klasse“, sagte Meyer. „Für den Ringkampfsport ist das einfach hervorzuheben.“ Dass das Derby in der Region einen besonderen Stellenwert besitzt, sei angesichts einer solchen Kulisse offensichtlich. „Wenn man den Kampf ansieht, weiß man auch, warum.“

Ähnlich sah es Müller. Zwei Vereine, die nur wenige Kilometer voneinander entfernt beheimatet sind, hätten erneut gezeigt, was dieses Derby ausmacht. Besonders hob der Röhlinger Trainer hervor, dass bei aller Rivalität alles friedlich geblieben sei und auch auf der Matte fair gekämpft wurde. „Das ist eine sehr, sehr gute Sache und der Abend war Werbung fürs Ringen“, sagte Müller.

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